Städtereise mit Kindern

Wunderbares Wien

Wien empfängt uns mit offenen Armen, ist lässig, herzlich und unglaublich schön. Wir sind ziemlich schnell sehr verliebt. Fünf Tage verbringen wir in Österreichs Hauptstadt. Wir hätten es auch länger ausgehalten und gesehen haben wir noch längst nicht alles.

Zum Auftakt geht’s ins Café Sacher.

Denn wir wissen: Da gibt es für jeden von uns ein Stück dunkler, kräftiger Schokoladentorte. Weil die Warteschlange vor dem Café Sacher sehr lang ist, entscheiden wir uns, lieber in die Sacher Stube zu gehen, die ein paar Schritte weiter hinten liegt. Sie ist genauso plüschig und heimelig wie ihre große, bekannte Schwester – also eine gute Wahl mit ungeduldigen Kindern. Wir lassen uns vom Kaffeeduft und der herrlich altmodischen Atmosphäre des kleinen Raums einfangen. So schnell sind wir noch nie bedient worden, nach einer knappen Minute stehen fünf Stück Sachertorte mit Schlag (Sahne) auf unserem Tisch. Jawohl, wir sind in Wien!

Schloss Schönbrunn Museum

Die Stunden im Schloss Schönbrunn fliegen an uns vorbei: Wir spazieren einmal um diesen riesigen Palast herum und lassen unsere Füße spüren, was für Ausmaße diese feine Adresse hat. Während einer Tour durchs Schloss staunen über den kleinen Schreibtisch von Kaiser Franz Joseph, der doch so ein riesiges Reich zu verwalten hatte … Der Audioguide erklärt uns, wer im Speisesaal neben Sissi sitzen durfte – die Prinzen und Prinzessinnen durften das erst ab zwölf Jahren.

Im ehemaligen Stall – dem Kutscher-Gwölb – ruhen wir uns bei Gulasch und Topfenstrudel aus, bevor es ins Kindermuseum geht.

Kindermuseum im Schloss

Aus diesem Museum wollten wir nicht mehr weggehen. Wir stehen vor dem meterlangen Kleiderschrank und verwandeln uns in Gräfinnen, Lakaien, Soldaten, Fürsten, Dienstmägde. Wir streifen lange Kleider und elegante Handschuhe über, tragen weißgelockte Perücken, Fächer und dreieckige Hüte – ein Verkleidungstraum! Als das Kindermuseum schließt, haben wir noch längst nicht genug und kommen nur ungern wieder in der Gegenwart an.

Bevor wir den magischen Kleiderschrank entdeckt hatten, hatten wir erstmal an einer absolut spannenden Kinderführung teilgenommen und gelernt, wie die adligen Kinder hier früher lebten und was für eine strenge Mutter Kaiserin Maria Theresia war. Alles durften wir anfassen und ausprobieren. Im Speisesaal deckten wir die Tafel mit feinem Geschirr und (Plastik-) Speisen vom Schinken bis zur Erdbeere, bis sich der Tisch unter all den Köstlichkeiten bog.

Café Palmenhaus

Von außen und innen wunderschön ist dieser tolle Jugendstilbau aus Glas und grünem Stahl, der neben der Hofburg steht. Er enthält zwei Attraktionen. Wir beginnen mit dem Café Palmenhaus: ein perfekter Ort für heiße Schokolade und Mango-Mohnkuchen (mir ein Rätsel, dass die Kinder Mohn mögen). Wir sitzen unter Palmen, Stuck und weit entfernter Decke und können uns super vorstellen, dass der österreichische Kaiser sich hier Anfang des 20. Jahrhunderts ebenfalls entspannt hat, vielleicht mit etwas weniger Stimmengewirr um ihn herum.

Schmetterlinge im Palmenhaus

Eine Tür weiter gelangen wir in die zweite Attraktion: Das Schmetterlingshaus dampft vor Wärme, Feuchtigkeit und üppiger Bepflanzung. Was bei uns im Blumentopf auf der Fensterbank wächst, steht hier als Busch und Baum. Ein Pfad führt durchs Grüne, an Miniteichen und dicht blühenden Orchideen entlang. Es dauert eine Weile, bis wir begreifen, dass die Orchideen nicht echt sind. Schmetterlinge? Sehr viele sehen wir nicht, aber die wenigen in Sichtweite sind wunderschöne Wesen. Total beeindruckt sind wir von den daumengroßen Kokons gleich hinter dem Eingang. Sie wackeln und glänzen in verschiedenen Metallicfarben.

Naturhistorisches Museum

Wir fühlen uns ein bisschen wie Schüler des 19. Jahrhunderts, als wir ins Naturhistorische Museum eintauchen. Schon im Foyer mit seiner prächtigen Kuppel bekommen wir Nackenstarre vor Staunen. Über Marmortreppen steigen wir in die unglaubliche Fülle dieses Museums. Jeder Saal ist anders und jeder schon selbst eine Augenweide. Ganz am Beginn stehen wir in einem Raum, der aussieht wie ein Hörsaal der Kaiserzeit oder wie ein Klassenzimmer in Harry Potters Zauberschule.

Dann geht es einmal quer durch die Erdgeschichte. In langen Glasvitrinen lagert ein fantastischer Reichtum an Exponaten zum Ansehen, aber es gibt zwischendurch auch ein paar Möglichkeiten, etwas anzufassen und auszuprobieren. Wir bringen mit kräftigem Pumpen einen Vulkan zum Ausbruch, streichen voller Ehrfurcht über einen Mondstein, laufen durch ein Tor aus Walrippen, amüsieren uns über einen beweglichen Tyranno Saurus Rex, kleiden uns virtuell wie Steinzeitmenschen und verfremden unsere Gesichter so, dass wir aussehen wie Neandertaler. Besonders beeindruckend fanden wir …

  • die 29.500 Jahre alte, kleine Steinfigur Venus von Willendorf
  • die aus Glas gefertigten Bakterien und Quallen, die vor über hundert Jahren nur zwei Glasbläser weltweit herstellen konnten – heute kann das niemand mehr
  • die vielen, vielen, vielen Tierpräparate. Darunter eine gigantische (leider seit 200 Jahren ausgestorbene) Riesenseekuh, alle nur denkbaren Vögel, Meerestiere, Affen, Katzenarten, Elefanten, Reptilien – alles da.

Hofreitschule

Die Hofreitschule besuchen, heißt Schlange stehen. Erst warten wir, dass wir Eintrittskarten kaufen dürfen, dann warten wir darauf, zum Morgentraining eingelassen zu werden. Lohnt sich das? Unbedingt, sagen wir Eltern und die größeren Kinder später, das jüngste ist nicht ganz so überzeugt. Wohin wir in Wien auch kommen, weht uns Tradition entgegen – in der Hofreitschule ist das besonders spürbar. Schon die prachtvolle Reithalle mit ihren zwei Zuschauerrängen, den Säulen und den mächtigen Kronleuchtern beeindruckt uns. Innen herrscht eine fast andächtige Stille. Die vielen Menschen auf den Tribünen murmeln nur ein bisschen vor sich hin, während die zierlichen weißen Lippizaner wie Spieluhrfiguren im Kreis galoppieren oder scheinbar schwebend dahintraben. Die ruhige Konzentration der uniformierten Bereiter überträgt sich bis in die letzten Zuschauerreihen.

Wir sind so gebannt von diesem meditativen Erlebnis, dass wir zur Erinnerung eine Holzfigur von einem Lippizaner und seinem Reiter kaufen, die künftig zur Krippe unter den Weihnachtsbaum kommt.
Unsere Familientradition: Von fast jeder Reise bringen wir uns ein Souvenir mit, das später als Anhänger im Weihnachtsbaum oder in der Krippe davor landet.

Naschmarkt

Platzangst darf man nicht haben am Wiener Naschmarkt. Wir schieben uns mitten rein in die Gasse zwischen Granatäpfel, kandierte Früchte, Baklava, Hefezöpfe und die zahllosen anderen Schaulustigen. Es begleiten uns die unermüdlichen Rufe der Händler, ob wir nicht probieren (und kaufen) wollen. Beeindruckt von den Gewürzbergen, Olivenhaufen und duftenden Speisen trödeln wir voran, bis uns irgendwann auffällt, dass der Jüngste fehlt. Der Blick zurück erklärt, warum. Er lässt sich rechts und links mit den Leckerbissen der Händler füttern und kommt mit seinem öl- und schokoladeverschmierten Mund nur ganz langsam vorwärts.

Wir lassen uns anstecken und schlemmen uns durch den Naschmarkt. Das Ergebnis tragen wir in Tüten heimwärts: ein Wandererbrot aus Nüssen und Dörrobst (mehr Süßigkeit als Brot und ein super Energielieferant für zwischendurch), Oliven fürs Abendbrot und eine Drachenfrucht, die wirklich sehr teuer ist, aber allein der Name ist es wert.

Café Sperl

Im Café Sperl saugen wir die altmodisch-traditionell-avantgardistische Atmosphäre auf, beäugen die anderen Gäste aus den Augenwinkeln, lümmeln uns auf Stühlen, deren Lehnen von Generationen vor uns glatt geschubbelt wurden, freuen uns über die Wiener Sprache der Bedienung und essen Palatschinken, Fritattensuppe, Topfenstrudel, Zwetschkenfleck.

Figlmüller: Riesenschnitzel

Im Restaurant Figlmüller in der engen Wollzeilen-Gasse muss man Wochen vorher reservieren, wenn man einen Tisch fürs Abendessen ergattern will… oder man macht es wie wir und kommt zufällig genau in dem Augenblick vorbei, als die Chefin draußen vor der Tür den einzigen noch freien Tisch anbietet. Glück gehabt, denn das Figlmüller ist einzigartig: Wiener Schnitzel, unter denen die Teller verschwinden, blank gescheuerte Holztische, an den Wänden gerahmte Zeitungsartikel über das Gasthaus und das Zitronenwasser ist sehr lecker. Unsere Kinder sitzen und staunen und schlemmen. Übrigens: Aufs Klo geht man über die Gasse mit einem großen Schlüssel in der Hand und schließt damit die grüne Holztür am kleinen Toilettenhäuschen auf. Wirtshaus auf die althergebrachte Art.

Das schwarze Kameel

Im Schwarzen Kameel vertilgen wir sagenhaft leckere Schnittchen im Stehen neben der Theke. Sie klingen verrückt und schmecken noch besser: Schwarzbrot mit Rotkraut-Thunfisch-Creme oder Karotten-Orangen-Ingwer-Aufstrich, Maissalat-Mandarinen-Paste, Linsen-Schinkenwürfel-Creme und und und. Umwerfend gut. Findet auch der große Sohn, er flüchtet aber vor dem Zigarettenqualm – denn hier darf in einer Ecke des Restaurants geraucht werden.

Abends in Wien

Überschüssige Energie? Immer vorhanden. Wir Großen sind längst platt, die Kinder noch lange nicht, selbst am Abend. Also laufen wir durch die Dunkelheit und drücken die Nasen an die Schaufenster der Kärtnerstraße. Rund um den Stephansdom machen die Fiaker langsam Feierabend. Wir probieren aus, wie die Wasserpumpen für die Pferde funktionieren und laufen im Gänsemarsch hintereinander her, alle die Bewegungen des Vordermanns nachahmend. So etwas machen wir nur im Urlaub und unsere Tochter findet es ziemlich peinlich. Dann lassen wir uns durch die Straßen treiben, schauen in die beleuchteten Fenster der Wohnungen und sehen zu, wie sich Wien für die Nacht vorbereitet. Das tun wir endlich auch – Ende eines tollen Wien-Besuchs.

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